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Die Entstehungsgeschichte des Austin Healey Clubs Gmunden

 

Das erste „Schwein“ kommt 1986 an den Traunsee. Ein Schrotthaufen von einem 100/Six. Heinz Moser, damals ein junger, ambitionierter Schrauber, hat das Gerät von Holland nach Österreich importiert und wiederum aufgebaut und an unseren Club-Kollegen Erwin Schuster (damals in Scharnstein bei Gmunden beheimatet) verkauft.

Und damit war die Lunte gelegt. Erwin Schuster machte mir damals den Mund wässrig und so kaufte ich mir ebenfalls 1986 meinen ersten Healey, einen Frosch, von Heinz Moser. Und danach ging es Schlag auf Schlag. Unser heutiger Präsident infizierte sich mit dem Schweinevirus, einem 3000 MK I (den einzigen mit dem Lenkrad auf der richtigen, nämlich der rechten Seite) auch 1986.

Es handelt sich dabei um ein teilweise restauriertes Objekt, das es „nur“ noch fertig zustellen galt. Die Wintermonate 1986/1987 nutzte ich indem ich eine Totalrestaurierung eines 3000 MK III bei Heinz Moser (der damals noch im brüderlichen Anwesen im Ortszentrum von Altmünster sein Unwesen trieb) in Auftrag gab.

Die „Substanz“ kam von den Gebrüdern De Jong aus Holland, zuletzt zugelassen war er in New Ark, New Jersey/USA. Im Frühjahr 1987 waren wir also mit drei Big Healeys in Gmunden vertreten, zwei weitere Restaurierungsobjekte waren bereits bei Heinz in Arbeit. Was lag also näher als einen Club zu gründen? Und so erfolgte dieses im Sommer 1987. Die Gründungsversammlung wurde im erwürdigen Schlosshotel Freisitz Roith in Gmunden vorgenommen (eine seit damals dort angebrachte Tafel gilt als Nachweis).

Die Gründungsmitglieder waren: Dr. Fritz Enzmann, Heinz Moser, Erwin Schuster, Gerald Grampelhuber, Dkfm. Hans Mitterbauer und Karl Stadlhuber. In einer denkwürdigen Abstimmung wurden Dr. Fritz Enzmann zum Präsidenten und Heinz Moser zum Vize gewählt. Erwin Schuster, Dkfm. Hans Mitterbauer und ich wurden als Vorstände bestellt, und unser einziges „gewöhnliches“ Mitglied war Karl Stadlhuber. Der Verein wurde vorschriftsmäßig bei der BH Gmunden ins Vereinsregister eingetragen und Statuten wurden aufgelegt. Da der Austin Healey Club Gmunden ein „demokratischer“ Verein ist, wurde auch bereits einmal eine „demokratische“ Wahl durchgeführt, nämlich bei der Gründungsversammlung. Wie das so in „demokratischen“ Vereinen üblich ist, wurde das Präsidentenamt auf Lebenszeit vergeben. Wir haben dann auch im September 1987 unsere aller erste Clubausfahrt durchgeführt. Teilgenommen haben Heinz Moser samt Erika (auf seinem „Super Frosch“). Fritz Enzmann samt Beate (im präsidialen Streitross). Erwin Schuster (damals auf Brautschau im 100/Six) und Gabi mit mir (im MK III).

Wir wollten alle nochmals Sonne tanken und sind an den Gardasee gefahren. Keiner hat so recht geglaubt wirklich ans Ziel zu kommen (außer vielleicht Heinz Moser?). Und tatsächlich beinahe wäre am Ausgang des Lammertals bereits Endstation gewesen. Quasi durch Selbsteliminierung.

Bei der Ausfahrt aus einem Parkplatz streikte mein Bolide und Erwin, immer mit einem Auge auf Brautschau, hat mich kalt von rückwärts abgeschossen. Wir sind jedoch, etwas lädiert, weitergefahren. Unsere Route führte uns über den Großglockner (Anm.: Auf was i steh?? Auf die Großglockner Hochalpenstraße bei Eis und Schnee. Es schneite wirklich!).

In Lienz mussten wir technisch halten (meine Benzinpumpe wollte nicht mehr so recht, Beate´s Nagelfeile hat den Defekt wieder behoben). Am zweiten tag sind wir dann bis nach Penzola (Madonna di Campiglio) gekommen. Dort hat Erwin´s Benzinpumpe den Geist aufgegeben. In einer Nachtoperation konnte auch dieses Problem gelöst werden. Der dritte Tag brachte uns dann wirklich an den Gardasee. Die Heimfahrt absolvierten wir über die Weinstraße bis Bozen, wobei eine Krümmerdichtung beim präsidialen Streitross den Dienst quittierte. Heinz machte damals noch kurzen Prozess und nahm den Austausch im Gastgarten beim „Tiefbrunner“ in Entigla vor. Wir erreichten Gmunden ohne größere Probleme. Wir waren alle fürchterlich stolz mit unseren Geräten diese Distanzen bewältigen zu können. Das hat mich auch dann veranlasst einen Artikel für das englische Healey Club Magazin – The Wheelspin 2 – einen Artikel zu verfassen.


1988 - Ausfahrt Friaul/Julisch Venetien

Im Juni 1988 wagte sich der komplette damalige Clubvorstand auf große Ausfahrt ins Friaul und Julisch Venetien.

Die Teilnehmerliste:

  • Päsident Fritz Enzmann samt Gattin Beate
  • Vizepräsident Heinz Moser - Beifahrer bei Hans Mitterbauer
  • Vorstand Hans Mitterbauer
  • Vorstand Erwin Schuster
  • Vorstand Gerald Grampelhuber


Das Fahrzeug unseres damaligen einzigen ordentlichen Mitglieds war gerade in Arbeit, also noch nicht einsatzfähig. Bei strahlendem Wetter starteten wir in Gmunden, die Route ging über Bad Ischl, den Paß Gschütt übers Lammertal nach Bischofshofen, Zell am See, Felbertauerntunnel bis Matrei in Ost-Tirol. Dort nächtigten wir im Hotel Rauter (Tiefgarage, hervorragende Küche, sehr ordentliche Zimmer).

Die Route für den 2. Tag:
Matrei- Stallersattel- Antholzer Tal – Olang – Toblach – Misurina See – 3 Kreuz Paß – Cortina – Passo Giau – Selva di Cadore – Colle S. Lucia – Caprile – Cordevole Tal – Belluno – Feltre – Valdobbiadene . Auch damals bestand am Stallersattel schon die Einbahnregelung bei der Abfahrt nach Süd-Tirol ( Ampel gibt die Abfahrt jeweils zur ½ Stunde frei ). Wir nutzten die Gelegenheit zur Babypflege und bedienten uns beim nahegelegenen Bacherl. Der Grenzübergang nach Süd-Tirol wurde von österreichischer Seite her durch einen später noch für unseren Club legendär werdenen Grenzposten verteidigt, der unsere Fahrzeuge und die Insassen peinlich genau kontrollierte und uns dann widerwillig passieren ließ.

Das nächste „technische Halt“ gabs dann am Misurina See, wir konsumierten dort unsere ersten „Espressi“, 1988 war in der Heimat das höchste der Gefühle Filterkaffee. Über den 3 Kreuzpaß gings hinunter nach Cortina d’Ampezzo. Bei der Ortsausfahrt von Cortina entdeckten wir ein hervorragendes Restaurant und labten uns mit bester italienischer Küche und delikaten Weinen. Ein erster Regenschauer während unseres Aufenthaltes veranlaßte uns die Dächer aufzubauen, Erwin Schuster, ganz auf „hart“, pflanzte lediglich einen Sonnenschirm aus dem Gastgarten in seinen 100/6.

Bei Sonnenschein, gestärkt und beschwingt setzten wir unsere Fahrt auf den Pso Giau fort, dort erfolgte eine Schneeballschlacht und wir konnten schon die Schlechtwetterfront aus dem Süden kommend sehen. Diese erreichte uns dann im Cordevole Tal mit voller Härte. Eine anstrengende Regenfahrt brachte uns dann schließlich ans Etappenziel nach Valdobbiadene. Valdobbiadene, die Stadt des Proseccos, erlebten wir ebenfalls im Regen.

Reichlicher Prosecco Genuß entschädigte uns jedoch. Am nächsten Tag besuchten wir eine Palladio Villa ( Venusvilla in Maser ), einen Friedhof bei Asolo, dinierten im Ristorante da Giuliano ( Auffahrt zum Monte Grappa), machten ein Heizerl auf den Monte Grappa, genehmigten uns bei der Abfahrt einen Grappa bei einem Reliktensammler aus dem 1. Weltkrieg und besichtigten abschließend Bassano del Grappa.

In der berühmten Grapparia von Andrea da’l Ponte verkosteten wir den dortigen Grappa und nahmen auch die eine oder andere Flasche mit. Unser Etappenziel war Asiago in den Bergen. Irgendwie ( vielleicht wegen des genossenen Grappas?) hatte sich die Gruppe bei der Ausfahrt von Bassano zerstreut. Erwin und ich mußten uns dann bei einem Mistbauern nach dem Weg erkundigen. Bei der Ortseinfahrt in Asiago konnten wir bereits die Motoren der „Konkurrenz“ bollern hören, die beiden anderen Fahrzeuge kamen aus der Gegenrichtung. Wiederum vereint bezogen wir Quartier im Hotel Erica in Asiago, dabei stellte sich heraus, daß Hansens Streitroß zum Lahmen neigte. Die Ursache, ein defektes hinteres Radlager, war schnell festgestellt. Woher aber nehmen?

Ein Insidertyp aus Asiago machte uns auf ein Ersatzteil-Geschäft in Bassano aufmerksam und so haben sich dann am nächsten Tag Heinz und ich dorthin auf den Weg gemacht. Dieses Geschäft war wirklich ein „Hammer“. Die Eigentümer, 2 Brüder in den besten Jahren ( jeder ca 85 Jahren alt), saßen in einem Kontor, angefüllt bis zum Dach mit Ersatzteilen aus allen Epochen der Automobilgeschichte.

Im Eingangsbereich wies ein Leichenwagen, Baujahr ca 1940, auf die Vergänglichkeit des Menschen hin. Einer der Eigentümer suchte zusammen mit Heinz in einem Regal mit zöllischen Kugellager den passenden Teil. Irgendwie mußte dieser jedoch noch bearbeitet werden. Kein Problem für den 85 Jährigen, in einer Nebenhalle befand sich eine Drehmaschine, angetrieben über einen Transmissionsriemen, diese wurde angeworfen und der Teil auf Maß gebracht und schon ging’s zurück nach Asiago. Dort wurde das Lager sofort eingebaut, und weiter ging‘s. Hans fährt noch heute damit! Den Rückweg absolvierten wir über Trient bis Mauls, dort nächtigten wir wiederum beim Staffler Wirt, am nächsten Tag wurde die Heimreise über den Brenner, Innsbruck, Lofer, Salzburg und die Seen angetreten.
Bis auf das defekte Radlager waren keine technischen Probleme aufgetreten. Die Teilnehmer an dieser Ausfahrt hatten jedoch zutun die Gewichtszunahme, bedingt durch die gute und in überaus üppigen Mengen genossene italienische Küche, in den drauf folgenden Wochen wieder abzubauen.

Happy Healeying
Der Chronist : Gerald Grampelhuber

 
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